Ich habe in letzter Zeit viele Videos zum Thema Acrylmarker auf Miniaturen gesehen – und die meisten kommen zum Schluss, dass günstige Marker nicht funktionieren. Meine Erwartungen waren entsprechend niedrig, als ich mir die Artecho Dual-Tip Acrylic Marker Pens auf Amazon bestellt habe. Aber schauen wir uns doch einfach an, was sie können!
Die Acrylmarker und ihr Nutzen
Die Marker sind im Stil von Layout-Markern oder doppelseitigen Filzstiften gehalten. Auf der einen Seite haben sie eine relativ feste Pinselspitze, auf der anderen eine typische „Filzstift“-Spitze. Die Farben selbst sind Acrylfarben.
Normalerweise finden diese Stifte Verwendung beim Bemalen von Glas, Porzellan oder auch Steinen – ich gehe also guten Gewissens davon aus, dass auch Miniaturen nicht kreischend davon laufen, wenn ich sie mit den Markern traktiere.
Lieferumfang und Kosten
Ich habe mir für dieses Experiment das große Set mit 120 Markern bestellt, die auf Amazon derzeit für 31,44€ zu haben sind. Das ergibt einen Preis von 0,26€ pro Marker. Selbst der reguläre Preis von 36,99€ entspricht hier einem Stückpreis von nur 0,30€ pro Marker.
Die Marker decken einen weiten Bereich an Farben ab, auch wenn mir persönlich der ein oder andere Ton fehlt. Dazu kommt, dass die Fluoreszierenden Marker genau das nicht wirklich tun – womit ich auch nicht wirklich gerechnet hätte. Sie haben allerdings einen recht hübschen Neon-Ton an sich, den ich mir gerade auf Plasma trotzdem gut vorstellen kann.

Die Metallic-Töne funktionieren – zumindest auf dem Papier des Farbschemas – sehr gut und haben tatsächlich einen schönen Metallic-Effekt.
Der Versuchsaufbau
Als „Versuchskaninchen“ hat an der Stelle einer meiner Dark Angels herhalten müssen. Genau genommen, die erste Miniatur seit über 20 Jahren. Er wurde schwarz grundiert und mit einem ganz leichten, weißen Zenithal versehen – das gewaltig in die Hose gegangen ist.
Die Bemalung
Im Anschluss habe ich die Rüstungsteile mit dem Farbton 761 – Seaweed Green bemalt. Es war überraschend leicht, in die meisten kleinen Ecken zu kommen und die Farbe hat problemlos im ersten Auftrag gedeckt. Die Trockenzeit war mit nicht einmal einer Minute ebenfalls sehr kurz, was beim Wetblending auf der Miniatur durchaus Probleme machen kann. Für einen grundlegenden ersten Farbauftrag war ich allerdings sehr zufrieden.

Den Aquila und die Pergamentteile habe ich mit 607 – Ivory Yellow grundiert, die roten Teile (wie das Reinheitssiegel) mit 726 – Dark Mauve. Für die Lederteile (Munitionstasche, Holster, Gürtel) habe ich in der ersten Schicht 742 – Dark Caramel verwendet und bei den sichtbaren Metallteilen habe ich 601 – Silber verwendet. Alle Farben haben – wie auch das Grün vorher – keine Probleme, auch auf schwarzem Primer zu decken. Das Ivory Yellow kann aber teilweise im ersten Auftrag etwas streifig wirken und benötigt eine zweite Schicht darüber.
Der Versuch mit dem Acrylmarker zu highlighten
Meine Probleme bei den Highlights sind nicht die Schuld der Marker. So viel gleich vorab. Während sich Pergamentteile und Aquila problemlos mit 695 Apricot Yellow bearbeiten ließen und auch das Rot mit 722 – Scarlet wunderbar funktioniert hat, habe ich den Fehler gemacht meine Rüstung im ersten Schritt mit 760 – Midnight Green highlighten zu wollen um einen großen Sprung zu vermeiden. Das Edgehighlight mit 767 – Woodland Green hat die Sache nicht besser gemacht. Die Handhabung der Stifte und ihre Deckkraft waren erstklassig – nur meine Farbwahl war es eben nicht.
Erwartete Probleme mit den Acrylmarkern
Nach meinem geistigen Aussetzer beim Highlight habe ich mich an das Konzept Speedpaint als eine Art Filter zu nutzen erinnert – und daran, dass ich das Einführungsset noch da habe. Bei den drei Markern finden sich auch die Farben Orc Skin und Blood Red.
Videorezensionen behaupten oft, dass die Acrylmarker beim Kontakt mit Washes oder Kontrastfarben reaktivieren, weshalb ich hier eigentlich mit Problemen gerechnet habe.
Erstaunlicherweise haben sich weder das Grün noch das Rot auch nur einen Millimeter bewegt, als ich sie mit den Speedpaint-Markern traktiert habe. Von einer Reaktivierung kann man also, zumindest bei diesen Acrylmarkern, definitiv nicht sprechen.
Natürlich ist Orc Skin viel zu hell für einen Dark Angel, weshalb ich mich entschieden habe, die Miniatur mit einer Schicht Agrax Earthshade von Citadel zu traktieren. Hierbei sind weder die Rüstungsteile noch die Metallteile wirklich in Bewegung geraten – also auch hier gibt es eine hervorragende Haltbarkeit. So sah die Mini nach diesem Schritt aus:

Der letzte Schritt
Im letzten Schritt habe ich die Miniatur noch mit einem Drybrush bearbeitet. Hierfür habe ich eine Mischung aus Blighted Green und Ivory White aus der Army Painter Fanatics-Reihe benutzt. Das Ergebnis ist meine „Vorher-Miniatur“, die ihr auch hier betrachten könnt.
Mein Dark Angel ist damit zwar noch längst nicht perfekt aber, wie man so schön sagt, für amtliche Zwecke ausreichend.
Acrylmarker auf Minis: Das Fazit
Werden die Acrylmarker meine Farben ersetzen? Nein. Aber sie sind eine hervorragende Ergänzung im Werkzeugkasten. Sei es, um auf die Schnelle ein Farbkonzept zu entwerfen, ein paar Details anzubringen oder einfach nur unterwegs die erste Farbschicht auf ein paar Minis zu bringen.
Ja, man kommt damit nicht so einfach wie mit einer Pinzette in die engsten Ecken und ja, man kann damit nicht blenden. Aber wenn man sie als weiteres Werkzeug begreift und nicht als das allein-glücklich-machende-Allheilmittel, dann sind sie gut. Vor allem in Anbetracht ihres Preises.
Auch die Schwächen, von denen in den Videos immer wieder die Rede war, kann ich eigentlich nicht bestätigen. Sobald die Farbe getrocknet ist, bleibt sie genau da, wo sie ist. Wie jede andere Acrylfarbe auch. Die Marker sind aber kein Wundermittel. Sie sind keine Pinsel – und sie werden sich niemals wie welche benehmen. Sie sind auch keine Speedpaint – also werden sie sich auch nicht wie welche verhalten.
Trotzdem sind sie ein gutes Werkzeug, das zu einem erschwinglichen Preis zu bekommen ist.
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